»Aufbruch – Euterpe liest«

Sonntagsmatinee mit Ulrike Dotzer und Malte Borsdorf

Ulrike Dotzer stellt ihren zweiten Roman »Agnes im Meer« vor, Malte Borsdorf liest eine Auswahl seiner Gedichte.

Die Journalistin Ulrike Dotzer stellt ihren zweiten Roman vor, der auf Trischen spielt - 14 km vor der Dithmarscher Nordseeküste. Die Insel liegt heute im Nationalpark Wattenmeer, ist unbewohnt bis auf den Vogelwart und den vielen Vögeln.1943 haben dort noch Menschen gelebt, vor allem ab 1942 Zwangsarbeiter, die im Deichbau und zur Landgewinnung eingesetzt wurden. Die junge Agnes kommt als Haushälterin auf die Insel und erlebt die politisch unbeständige Zeit der Weimarer Republik und die Machtergreifung der Nazis. Sie verliebt sich in den Vogelwart, erlebt den Krieg auf der Insel und als eine junge Russin, eine der Zwangsarbeiterinnen, sie um Hilfe anfleht, steht Agnes vor einer Entscheidung. Die Autorin hat in ihrem vielschichtigen Roman geschickt das Leben der Agnes mit den politischen Geschehnissen in der Nazizeit und dem Machtspiel Mensch-Natur (Deichbau, Landgewinnung) verbunden und lässt die Leser*innen durch die Darstellung der Atmosphäre den Wind spüren, das Meer riechen, die Vogelschwärme verfolgen - gründlich recherchiert, glaubhaft, echt, spannend.

Ulrike Dotzer, geb. 1961, hat Geschichte und Philosophie studiert. Geschichten von Flucht und Vertreibung durchwebten ihre Kindheit. Als Journalistin schrieb sie u. a. für das Hamburger Abendblatt. Zwei Jahrzehnte leitete sie die Abteilung ARTE im NDR; im Fernsehen setzt sie sich besonders ein für Dokumentationen und Doku-Dramen zu historischen Themen. und wurde hierfür vielfach international ausgezeichnet.

Malte Borsdorf (geb. 1981 in Österreich) wohnt nach mehreren Stationen als freier Schriftsteller in Flintbek. Er hat in Innsbruck und Wien studiert, sowohl Bibliothekswissenschaft als auch Informationswissenschaft, Europäische Ethnologie, Philosophie u.a. Er veröffentlichte in zahlreichen namhaften Zeitschriften und Anthologien Gedichte, z.B. im Hamburger Jahrbuch für Literatur 2012/13 und war Teilnehmer der Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Neben seinen Romanen: „Flutgebiet“ (2019) und „Frau Schebesta räumt die Welt auf“ (2025) ist Malte Borsdorfs Lyrik nicht weniger beachtenswert.Anscheinend unbedeutende Dinge und Vorgänge des Alltags, die man übersehen kann, die aber wirklichkeitsnah und unter besonderem Licht betrachtet bedeutsam, beziehungsreich, hintergründig scheinen, werden ins Bild gehoben. Schlicht, ohne Schnörkel, klangvoll und ganz unauffällig sprachschöpferisch. Da beginnt der Morgen z.B. „rauchblauflimmernd“ und er „stieg auf“ vom „Aschenbecherkristall“. Und knisterte auf Fingern „Stromstaub“. Unprätentiös sind diese Sprachschöpfungen in die Zeilen gewebt, dass der Leser sie wie selbstverständlich mitvollzieht. Eine Auswahl seiner Gedichte ist bei dieser Matinee zu erleben.

Eintritt frei (Spenden erbeten)

Eine Gastveranstaltung des Euterpe Literaturkreises e.V.

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