Pressemitteilungen Literaturhaus
30.08.2012: Einstellung der Angebote des „Jungen Literaturhauses“
Eine Erfolgsgeschichte
Das „Junge Literaturhaus“, in dem das Literaturhaus Schleswig-Holstein seit 1999 gezielt literarische Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene konzipiert und durchführt, ist von Programm und Resonanz her eine Erfolgsgeschichte. Spezifisch auf Altersgruppen abgestimmt werden qualitativ hochwertige Angebote, die auch den bildungspolitischen Aspekt der Kulturarbeit berücksichtigen, durchgeführt.
Für den Vorschulbereich waren dies offene Vorlesenachmittage und Vorlesevormittage für Kindergärten und - tagesstätten sowie ergänzend Fortbildungen für Vorlesepaten und deren Vermittlung an andere Einrichtungen in Kooperation mit der „Stiftung Lesen“. Für die 6-12 Jährigen waren dies vor allem Lesenächte, interaktive Autorenlesungen und kreative Werkstätten. Autorenlesungen, v.a. aber besondere Projekte richteten sich an die Altersgruppe der Jugendlichen: „Fahnenlesen“ (die Beschäftigung mit einem neuen Jugendbuch vom Manuskript bis zum fertigen Buch mit Abschlusspräsentation der Ergebnisse bei der Buchmesse in Leipzig), „Texte unter der Lupe“ (eine feste Gruppe, die literarische Texte erarbeitet und die Ergebnisse öffentlich präsentiert), Werkstattarbeit in Gruppen zu Szenischem Schreiben, Slam Poetry und Stadtlyrik oder „Fremde? Freunde!“, ein Schreibprojekt zu Integrations- und Migrationsfragen. Stärker auf die Abschlussklassen und auf studentisches Publikum ausgerichtet waren Angebote wie die Vermittlung junger Autoren für Einzellesungen in öffentlich durchgeführten Schulprojekten, die LeseLounge, die literarische Debüts und Musik kombiniert, die finanzielle und logistische Unterstützung der aufblühenden Slam Poetry Szene oder der deutsch-französische Slam- Poetry-Austausch mit der schleswig-holsteinischen Partnerregion Pays de la Loire, der Werkstattarbeit in Schulen und öffentliche Auftritte verbindet. Ein langjähriges, erfolgreich alle schulischen Altersstufen verbindendes Projekt schließlich sind die „Lesetipps der Leseratten“, ein Faltblatt des JungenLiteraturhauses mit Rezensionen zu aktuellen Neuerscheinungen von Kinder- und Jugendbüchern.
Flexibilität und Dauerprobleme
Diese Angebotspalette bildete sich über die Jahre heraus und passte sich flexibel veränderten Bedingungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an. Die Entwicklung der Ganztagsschule, der Medienwandel, die PISA-Diskussion und die ihr folgende immer überhitzter auf Projektdurchlauf ausgerichtete Förderpraxis von Politik, Verwaltung und Stiftungen wurden soweit möglich berücksichtigt, um inhaltlich und finanziell mit hoher Effizienz zu arbeiten. Von den Zielgruppen wurden die Angebote in der Regel sehr gut angenommen, zum Teil den Bedürfnissen entsprechend modifiziert. Soweit sinnvoll wurde mit Kindergärten, Schulen und universitären Einrichtungen oder auch unterschiedlichen Trägern der kulturellen Jugendbildung und den Kinder- und Jugendbuchwochen des Landes kooperiert.
Seitens des Literaturhauses Schleswig-Holstein war die Entwicklung des Jungen Literaturhauses kontinuierlich von drei Problemen belastet.
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Nur ein Teil der Angebote konnte mit Ausstrahlung auf das Land konzipiert und durchgeführt werden (Vermittlung junger Autoren in Schulprojekte, Werkstattarbeit), überwiegend bezogen sie sich auf die Stadt Kiel.
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Das Programm wurde in den letzten 12 Jahren von sechs wechselnden und zuletzt von an sich mit anderen Aufgaben betrauten Mitarbeitern durchgeführt (Honorarkräfte und Volontäre).
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Die Finanzierung der Angebote selbst war weitgehend problemlos zu leisten, da Projekte in diesem Bereich keine hohen Sachmittel beanspruchen und Projektmittel für diesen Bereich relativ gut einzuwerben sind. Die Personalmittel, die in diesem extrem arbeitzeitintensiven Bereich erforderlich sind (Konzeptionelle Arbeiten, Durchführung von Projekten sowie verschiedene Serviceleistungen wie Antragstellung und -abrechnung, Beratungsgespräche) konnten allerdings nur durch 'Rechenkunststücke' aufgebracht werden.
Das Ende der Erfolgsgeschichte
Die Situation ist mittlerweile an einem Punkt gelangt, an dem die Arbeit für das Junge Literaturhaus zulasten der gesamten Literaturhausarbeit und des übrigen Personals geht. Dies wurde auch in einem externen Gutachten zur Programmarbeit des Literaturhauses deutlich bestätigt. Die Anteile, die durch ehrenamtliche Arbeit vor allem von Mitgliedern des Literaturhausfreundeskreises oder durch Fremdvergabe an Honorarkräfte bewältigt wurden, sind nicht mehr auszuweiten. Einzelne Projekte, die modellhaft entwickelt wurden, werden bereits weitgehend eigenständig von Kooperenten durchgeführt. Die Möglichkeiten, diese Dienstleistung zu delegieren, sind erschöpft.
Mehrere Versuche in den letzten Jahren, durch eine Erhöhung des jährlichen institutionellen Zuschusses seitens der Landeshauptstadt Kiel (seit 1993 unverändert knapp 8.000 Euro jährlich) die Personalkosten im Kinder- und Jugendbereich zu decken und so auch eine kontinuierliche Betreuung der Arbeit zu sichern, fanden kein Gehör. Reaktionen aus den Ratsfraktionen legen nahe, dass auf absehbare Zeit keine Aussicht zu bestehen scheint, dass sich dies ändern könnte.
Eine noch weitergehende interne Umschichtung der zur Verfügung stehenden institutionellen Literaturförderung durch Landesmittel zugunsten des Jungen Literaturhauses ist nicht möglich.
Mit großem Bedauern sieht sich der Vorstand des Literaturhauses SH e.V. genötigt, jetzt auf diese Situation zu reagieren und die meisten Angebote des Jungen Literaturhauses einzustellen. Im Herbstprogramm werden nur noch längerfristig geplante oder durch ehrenamtliche Arbeit gesicherte Aktivitäten durchgeführt. Dies sind
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die ehrenamtlich betreuten Vorlesevormittage und eine extern von der „Stiftung Lesen“ getragene Vorlesepatenfortbildung
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die extern betreute Werkstatt „Texte unter der Lupe“
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der mittlerweile dritte Besuch französischer Slampoeten, der 2012 im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der Regionenpartnerschaft Schleswig-Holsteins und der Pays de la Loire steht
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die studentisch organisierte LeseLounge mit zwei Veranstaltungen
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eine letzte Ausgabe der „Lesetipps“.
Inwieweit einzelne dieser Angebote über das Jahr 2012 hinaus erhalten werden können, wird eine interne Evaluation des Personalkostenaufwands bzw. der landesweiten Ausstrahlung dieser Teilprojekte erweisen.
